Kapitel 10 - Berufe im Bergwerk

Das Bergwerk war ein differenziertes Betriebssystem mit sehr unterschiedlichen Aufgaben. Verwaltungspersonal und Arbeiterschaft standen zahlenmäßig im Verhältnis eins zu vier. Sie hatten sehr unterschiedliche Perspektiven auf den Betrieb: Leistung als Arbeit oder betriebswirtschaftliche Größe sind zweierlei. Als Arbeiter spielte es bei der Entlohnung eine wesentliche Rolle ob man untertage oder übertage arbeitete.

Verwaltung:

Die Direktion mußte zur Muttergesellschaft die Verbindung halten und einerseits dort über die betriebliche Leistung, andererseits dem Bergamt über die Sicherheitsfragen Rechenschaft ablegen. Beim Direktor lag auch die Verantwortung für alle Planungen. Die Zyklen der Investitionen mit einem langen Zeitraum zwischen z.B. Abteufen eines neuen Schachtes und dessen Leistung und Ertrag, die Zyklen des Arbeitsmarktes, die Konkurrenz auf dem Absatzmarkt, die „Überraschungen“ durch die geologischen Bedingungen und Unfälle, die dramatischen Krisen und Kriege des 20. Jahrhunderts – all dies machte aus dem Direktor einen immer selbst unter Druck stehenden Krisenmanager. Der Direktor, der von der Ausbildung her Bergingenieur war, mußte zwar selber planen und entscheiden, hatte aber zumal in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts letztlich sehr wenig davon wirklich in der Hand.

Weitere Betriebsingenieure, der Kassier und Büroangestellte für Statistik und Buchführung, Lohnbüro, Mannschaftsbüro, Sekretariat gehörten zur Direktion.

Das Direktionsgebäude stand etwa an der Stelle des heutigen Bergbaudenkmals mit der Förderscheibe.

Zu offiziellen Anlässen wie Jubiläen oder Festen erschienen die Bergknappen in ihren traditionellen Uniformen. Zum alljährlichen Barbarafest versammelte man sich vor der Direktion. An diesem bergmännischen Festtag wurden Auszeichnungen vergeben, dann zog man gemeinsam zum Umtrunk in den Gasthof Berggeist.

Betrieb:

Die Verbindung zur Mannschaft hielten die Steiger, speziell an eigenen Schulen (in Klagenfurt, Leoben, Freiberg, später vor allem in Bochum) ausgebildete Bergleute oder Bergingenieure, die untertage die Rolle des Vorarbeiters hatten. Sie teilten ein und kontrollierten und hatten auch Entscheidungsbefugnis. Hier gab es eine Hierarchie von Steiger, Fahrsteiger, Obersteiger, Abteilungssteiger.– Steiger waren Angestellte des Bergwerks.

Der eigentliche Bergarbeiter war der Hauer, der mit seiner Arbeitsgruppe im Akkord, im Gedinge, arbeitet. Doch bis dahin hatte ein junger Mann, der ins Bergwerk eintreten wollte, einen langen Weg.

Mit vierzehn Jahren durfte man ins Bergwerk, wurde jedoch nur für Hilfsarbeiten in der Sortierung oder am Holzplatz übertage eingesetzt. In Zeiten als es erst sechs Schuljahre gab mußten viele schon zwischen Schulentlassung mit zwölf Jahren und Eintritt ins Bergwerk  für sich selbst sorgen, z. B. als Hütejungen bei einem Bauern, oder als Laufbursche. Die kärglich lebenden Bergarbeiterfamilien wollten den immer hungrigen Jugendlichen „vom Tisch“ haben.

In der Sortierung und auf der Hängebank arbeiteten auch Frauen. Die Kohlstadlschixn waren zumeist junge, unverheiratete Frauen, die aus der schweren Arbeit ein ganz eigenes Selbstbewußtsein und Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelten.

Ebenfalls übertage arbeiteten Rangierer, Fuhrleute, Stallmeister, Elektriker, Maschinisten, Maurer; Maler, Schlosser und alle auf dem ausgedehnten Holzplatz Beschäftigten. Zum Bergwerk gehörte eine ausgedehnte Forstwirtschaft, die das Material zur Auszimmerung der Stollen lieferte. Eine Krankenstation war unerläßlich. Hilfskräfte waren in der Sortierung, Materialausgabe und der Kohlenwäsche beschäftigt. - Nach dem Krieg gab es auch ein eigenes Chemielabor.

Mit sechzehn Jahren durfte man nach Untertage und konnte in der Förderung als Säuberer und Schlepper eingesetzt werden. Nach vier Jahren dieser Hilfstätigkeit wurde man für weitere vier Jahre zum Lehrhauer (3 J. II. Klasse, 1 J. I. Klasse). Lange Zeit war im Bergwerk die Beförderung zum Hauer nicht nur an den Lehrgang und die Prüfung gebunden, sondern wurde auch nur nach Bedarf und als besondere Auszeichnung vergeben. Ein Anspruch bestand nicht.

Das änderte sich erst im Dritten Reich, als eine geregelte Ausbildungsordnung von der Willkür befreite. Eine eigene Werkschule wurde im Betrieb eingerichtet, eine eigentliche Ausbildung wurde angestrebt. Zuvor gab es nur die sonn- und feiertags besuchte Fortbildungsschule.

Spezielle Aufgaben untertage hatten die Sprenghauer und Bremser. Äußerst wichtig war auch das Vermessungswesen (Markscheiderei).

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