Kapitel 11 - Fördermengen, Lohn, Arbeitszeiten

Bis zum ersten Weltkrieg lag der Anteil der Oberkohle an der bayerischen Pechkohleförderung bei gut 80 %. - Später wurde das Peißenberger Staatswerk wichtiger. Bezogen auf die Steinkohlenförderung im Deutschen Reich war die bayerische Kohlenförderung nur eine Randerscheinung: selten kam sie über 1%.

Insgesamt wurden zwischen 1850 und 1966  über zwanzig Millionen Tonnen Pechkohle in Penzberg gefördert. Die Fördermengen waren abhängig von der Grubentechnik, der Ergiebigkeit der Flöze, der Verfügbarkeit von Arbeitskräften, den Finanzmitteln zur Investition und – ganz entscheidend – der Aufnahmefähigkeit der Absatzmärkte.

Der Aufschwung auch der Penzberger Grube  mit der Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist sehr deutlich erkennbar, war jedoch – wie auch bei den Gruben im Ruhrgebiet - starken kurzfristigen Schwankungen unterworfen. Wegen der geringen Lagerfähigkeit der Pechkohle waren die wirtschaftlichen Konsequenzen schlechter abzufedern: Schwankungen des Absatzes wurden schnell Schwankungen des Lohnes.

Arbeitsplatz und Lohn

In der Phase des großen anfänglichen Aufschwungs hat das Bergwerk bis 1900 Arbeitskräfte angeworben. Bei den Beschäftigtenzahlen gibt es Schwankungen. Die Mannschaftsbücher ab 1863 bis 1880 verzeichnen ca. 800 Neueinstellungen, 161 davon waren Frauen. Wie schwierig die Bedingungen waren zeigt aber auch die große Fluktuation: 262 schieden wieder aus.

Der Hauer war der höchstverdienende Arbeiter der Grube. Gerade in wirtschaftlich stabilen Zeiten waren die Unterschiede in der Entlohnung sehr deutlich, was oft zu Unmut führte. Die Zeche differenzierte hier bewußt. In schlechten Zeiten glichen sich die Löhne eher an, da kein Überschuß zur Umverteilung da war.

Ende des 19. Jahrhunderts verdiente ein Hauer durchschnittlich 85 Mark im Monat, ein Schlepper 60,50 Mark und ein jugendlicher Arbeiter 40 Mark. Drei Prozent des Lohns gingen an die Knappschaft, rund 11 Mark sind für Miete und Nebenkosten anzusetzen. Die Ausgaben für Grundnahrungsmittel pro Familie lagen bei 33 Mark.

Ein Teil des Lohnes wurde nicht in Geld sondern als Deputatkohle und in Lebensmittelmarken ausgezahlt, die im Bergwerkskonsum und der Grubenschänke eingesetzt werden konnten. Zeitweise muß dies bis zur Hälfte des Lohnes ausgemacht haben.

Sobald es Alternativen zur schweren Arbeit im Bergwerk gab, in dem die Betriebsleitung immer auch einen großen Einfluß auf das Verhalten und die Lebenswelt der Bergarbeiter nahm, hatte die Zeche teils große Probleme, Arbeiter zu halten und Nachwuchs an sich zu binden. So etwa im Dritten Reich und auch Anfang der sechziger Jahre vor der Schließung. Abwanderung war in Zeiten von Mangel an Arbeitskräften ein Problem, das die Zechenleitung z.B. durch Verhinderung der Ansiedlung weiterer Industrien in Penzberg zu begrenzen bemüht war. Auch standen die günstigen Mietwohnungen des Bergwerks natürlich nur Betriebsangehörigen zur Verfügung – wer ging, mußte auch aus der Wohnung hinaus.

Auswirkungen der Politik

Kriegs- und Krisenzeiten, mit denen Deutschland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dauernd konfrontiert war, entwickelten ihre ganz eigene Dynamik. Der Krieg ließ den Bedarf an Kohle steigen und stabilisierte die Lage der Zechen. Dennoch waren es Notzeiten, die Ertragslage deshalb nicht gleichermaßen besser.

Während der beiden Kriege war ein Abfall der Förderleistung des einzelnen Arbeiters je Schicht zu verzeichnen: Grund dürften die vielen Zusatzschichten, der Einsatz ungelernter Kriegsgefangener und (im 1.WK) die Aufschließungsarbeiten für den neuen Nonnenwaldschacht sein.

Nach dem ersten Weltkrieg fiel das Saarland als Kohlelieferant aus, eine prinzipiell gut Voraussetzung für die bayerische Pechkohle. Doch der verlorene Krieg, die Reparationsleistungen ließen die Gesamtwirtschaftslage sinken. Die Weltwirtschaftskrise wirkte sich verheerend auf die Rohstoffmärkte aus, besonders auf den unteren Qualitätsbereich. Eine Fördermengen- und Beschäftigten-Statistik für diesen Zeitraum verzeichnet heftige Schwankungen.

Die elende Lage der Arbeiterschaft führte besonders ab 1929 zu einer politischen Radikalisierung in Penzberg, die für das bayerische Oberland völlig ungewöhnlich war. Die Filmaufnahmen von 1929 zeigen einen Zustand, der ab dem Sommer 1929 sich drastisch wandelte. Im folgenden Jahr mußten 100 Arbeiter entlassen werden. Die vielen Feierschichten führten zu einer empfindlichen Lohnreduzierung. Um die Jahreswende 1930/31 gab es in Penzberg 279 Arbeitslose und 56 Wohlfahrtsarbeitslose, die von der Stadt unterhalten werden mußten. Im Januar wurde die Förderung für knapp einen Monat eingestellt und 1.150 Bergleute (von 1.160; aber keiner der 79 Angestellten) entlassen. – Der Betrieb wurde mit wesentlich niedrigeren Löhnen wieder aufgenommen, 105 Bergleute – darunter hauptsächlich Kommunisten – wurden nicht wieder eingestellt.

Zur Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage des die Stadt bestimmenden Bergwerks war diese Konfrontation sicher nicht förderlich. Die politische Verdrängung der Linken im Dritten Reich traf die Stadt hart, das Bergwerk aber und auch die Arbeiter profitierten von den Neuerungen. Aufrüstung und Krieg brachten Kohlebedarf und also Arbeit mit sich. Die Penzberger Bergleute mußten bis an den Rand der Erschöpfung zusätzliche Sonn- und Feiertagsschichten verfahren. Eine Sperre verhinderte den Arbeitsplatzwechsel, die Leistung je Schicht sank mit der Zeit.

Daher waren während der gesamten Zeit Kriegsgefangene im Bergwerk eingesetzt: Franzosen und Italiener untertage, Russen übertage. Vier Lager wurden im Lauf des Krieges eingerichtet: Daserhof, Neufischhaber, Ökonomiehof und das Russenlager auf dem Werksgelände. Die Gefangene der unterschiedlichen Nationen wurden seitens des Bergwerks  entsprechend der Rassenideologie unterschiedlich behandelt. Besonders die Russen (Offiziere!) wurden schlecht ernährt. Bis 1945 waren immer um die 400 Kriegsgefangene im Bergwerk beschäftig. Sie bekamen 75 % des Lohnes deutscher Bergleute, abzüglich der Unterbringungs- und Verpflegungskosten. Ausgezahlt wurde in Lagergeld, das nur im Lagerkonsum eingesetzt werden konnte.

Arbeitszeit

Gearbeitet wurde an sechs Wochentagen. 1889 betrug die Schichtdauer für Untertage-Arbeiter 8 Stunden unter Ausschluß der Seilfahrt. Die gesamte Verweildauer auf der Zeche betrug im Einzelfall um oder über 10 Stunden. Dennoch gaben Überschichten von 10 Stunden und Doppel- oder Feiertagsschichten, die nicht entsprechend honoriert wurden Anlaß, hier zu einer besseren Regelung zu kommen. – Übertage dauerte die Schicht unter Einschluß voninsgesamt zwei Stunden Pause 12 Stunden, später 10,5 Stunden bei einstündiger Pause. Das galt auch für die Sortiererinnen.

Bis Ende 1923 wurden 7-stündige Schichten verfahren (incl.Ein-/Ausfahrt), also wurden etwa 6 Stunden vor Ort gearbeitet. Überschichten waren die Regel, sind hierbei aber nicht berücksichtig.

Die Regelung, die heute noch bei den Bergknappen in Erinnerung ist, war die 10-stündige Schicht, wobei Ein- und Ausfahrt inbegriffen sind. Die drei Schichten dauerten von 6 bis 14 Uhr, von 14 bis 22 Uhr (Förderschichten) und von 22 bis 6 Uhr wurde eine technische Schicht mit Aufräum- und Wartungsarbeiten gefahren.

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