Kapitel 3 - Absatzmärkte der Pechkohle

Wegen der besonderen chemischen Zusammensetzung der Penzberger Kohle erwies sich die industrielle Verwertung jedoch als problematisch. Gefördert wurde Pechkohle, eine vom Heizwert der Braunkohle, vom Erscheinungsbild jedoch der Steinkohle ähnliche Kohlenart. Zudem bedingten die Lagerungsverhältnisse der Kohleflöze eine Durchsetzung mit Gestein: Die Mächtigkeit der Flöze war gering, zwischen 0,4 und 1,4 m, ebenso waren sie immer wieder mit Gestein, der „Berge“, durchsetzt. Der Anteil an verwertbarer Kohle im Fördergut lag zum Teil – auch fördertechnisch bedingt - unter fünfzig Prozent. Die Gestehungskosten waren daher relativ hoch.

Der in Aussicht genommene Einsatz bei der Münchner Gasbeleuchtung kam nicht zustande. Es stellte sich heraus, daß die Penzberger Kohle zwar einen hohen Gasanteil hatte, jedoch wegen ihres hohen Schwefelanteils nicht zur Leuchtgaserzeugung taugte. Allenfalls als Beimischung konnte sie hier eingesetzt werden. Ebenso war die Pechkohle praktisch nicht zur Kokserzeugung geeignet. Deshalb zogen die bayerischen Kohlelager auch keine weitere Schwerindustrie an wie im Ruhrgebiet oder an der Saar, da diese z.B. zur Verhüttung von Eisen auf Koks angewiesen war. - Damit schieden die beiden hauptsächlichen Formen der industriellen Verwertbarkeit für die Pechkohle aus.

Was als konstante Absatzmöglichkeit blieb, war die Hausbrandversorgung in München und entlang der Bahnstrecke. Der fühlbare Holzmangel sowie die Fortschritte in der Ofentechnik (Sparofen, Ofenrohr) machte auch die geruchsintensive Penzberger Kohle für den Haushalt akzeptabel. Ihr hoher Gasanteil war dabei förderlich, wegen des großen Ascherests wurde mit speziellen Einsatzrosten in den Stubenöfen experimentiert.

Weitere Abnehmer waren Kasernen (für lange Jahre die in Tölz), Brauereien und Papierfabriken und je nach Bautätigkeit auch Ziegeleien, Zementwerke und Kalkbrennereien. Neben München wurden weitere Märkte in Bayern, Schwaben, Württemberg, Österreich, sogar Italien erschlossen.

Dabei mußte die bayerische Kohle im Preis nicht nur mit Feuerholz konkurrieren, sondern zunehmend auch mit der Steinkohle aus dem Ruhrgebiet. Nur im süddeutschen Raum war die oberbayerische Pechkohle wegen des Transportkostenvorteils konkurrenzfähig. Ab etwa 1900 hatte die Ruhrkohle in München trotz wesentlich weiterer Transportwege den gleichen Preis, wurde zudem in günstigeren Formen angeboten, war sauberer und hatte einen deutlich besseren Heizwert. Als in den späten zwanziger Jahren, in der Krisenzeit der Weimarer Republik, auch die schlesische Steinkohle hier auf den Markt drängte, folgte daraus ein deutlicher Preisverfall der Pechkohle.

Nach dem anfänglich steilen Aufstieg der oberbayerischen Kohle warf diese überhaupt nur noch in Zeiten der „Kohlennot“ Gewinne ab: Nach dem ersten Weltkrieg wegen der Reparationsleistungen, in den 30-er Jahren im Hinblick auf die Rüstungsindustrie und später den Krieg, sowie danach zum Wiederaufbau.

Erst die Kohleverstromung am Ort im Bundesbahnkraftwerk war für die geringwertigen Sorten der Kohle schon wegen des entfallenden Transportes eine passende Dauerlösung für den Absatz.

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