Kapitel 4 - Geschichte der Schachtanlagen

Der Abbau der Kohlenflöze aus der Penzberger Mulde begann 1785 am Ehefeld über dem Säubach (Schloßbichl) wohl im Tagbau (Pingenbergbau).

1828 wurde ebenfalls am Säubachgraben etwas östlich vom Ehefeld ein Querschlag durch den Südflügel der Penzberger Mulde angeschlagen und ca. 300 m weit vorgetrieben. Durch diesen Tiefen Stollen war eine Abbauhöhe von maximal 20 m über der Stollensohle bis zur Tagoberfläche erschlossen.

Aus bewetterungstechnischen Gründen und wegen der topographisch bedingt stark wechselnden Abbauhöhe, wurde ein tonnlägiger, d.h. mit dem Flözverlauf schräg abfallender 40 m tiefer Schacht abgeteuft. Da er mit einem Pferdegöpel als Fördermaschine ausgerüstet war, hieß er der Göpelschacht.

Der ebenfalls tonnlägige Karl-Schacht war als erster mit einer Dampffördermaschine ausgestattet. Die Maschine konnte bei jedem Treiben einen Hunt von 400 l Inhalt heben. Der Schacht hatte eine Teufe von ca. 100 m und war von 1840 bis 1874 in Betrieb.

Der letzte in der Eichthalschen Aera 1851 abgeteufte Schacht war der Isabellen-Schacht. Mit ihm begann der eigentliche Tiefbau in Penzberg. Er war 196 m tief und hatte zwei Fördertrume (Abteilungen) mit Gestellen für zwei Hunte nebeneinander. 1875 wurde die Förderung hier eingestellt.

Ein weiterer, leistungsfähigerer Schacht wurde notwendig. Neuer Hauptförderschacht wurde 1874 der Herzog Karl-Theodor-Schacht mit 200 m Tiefe, der recht steil mit ca. 70 Grad hinunterführte. Die 2-Zylinder Dampffördermaschine konnte mit jedem Treiben vier Hunte bewegen, die nebeneinander auf dem Tragboden standen. Von nun an ging es mit guten Flözaufschlüssen weiter, die Fördermenge stieg erheblich.

Der Herzog Karl-Theodor-Schacht war bis 1937 in Betrieb und befand sich auf dem Gelände des heutigen EDEKA-Parkplatz.

Um die Kohlenvorräte unterhalb der 200 m Sohle bis zum Muldentiefsten zu erschließen, wurde 1891 der Henle-Schacht abgeteuft. Dieser Schacht war saiger, d.h. er ging 424 m senkrecht in die Tiefe. Er lag 80 m nördlich des Herzog Karl-Theodor-Schachtes und wurde ebenfalls 1937 wieder verfüllt.

Von den Penzberger Schächten aus wurde 1890 mit einem 2.300 m langen Querschlag auf der 1. Tiefbausohle in 200 m Tiefe die Langseemulde durchquert und zum ersten Mal die Nonnenwaldmulde erreicht. Die prinzipiell ungünstigen Flözverhältnisse bedingten ein ausgedehntes Grubenfeld. Wegen der großen Ausdehnung des unterirdischen Streckennetzes mußte jetzt erstmals ein Wetterschacht mit Ventilator eingerichtet werden.

Der letzte, größte und leistungsfähigste Förderschacht des Penzberger Bergwerks war der 1918 abgeteufte Nonnenwald-Schacht. Er war 684 m tief, kreisrund ausbetoniert mit einem Durchmesser von 5,10 m. Die elektrische Fördermaschine konnte mit einem Treiben sechs Hunte von je 780 l ziehen. Der Schacht befand sich auf dem Gelände der heutigen Firma Roche Diagnostics GmbH.

1933 wurde die gesamte Förderung in den Nonnenwald verlegt.

Der Betrieb dort wurde 1936 sowie in den 50-er Jahren umfassend modernisiert.

1966 wurde der Förderbetrieb eingestellt. Die Absatzmöglichkeiten für Kohle hatten sich nach Öffnung der Ölpipelines drastisch verschlechtert. Damit ging die Bergbauzeit in Penzberg wie auch in Hausham und im Ruhrgebiet zu Ende.

Das Penzberger Bergwerk gehörte seit 1936 zur Gesellschaft „Hibernia“ in Herne, die ein Unternehmen der VEBA war (Vereinigte Elektrizitäts- und Bergwerks-Aktiengesellschaft, 1929 vom preußischen Staat gegründet). Die Schließung der Grube wurde also im Rahmen des Strukturwandels der deutschen Energiewirtschaft im Ruhrgebiet beschlossen, der Freistaat Bayern förderte den Übergang zur Ansiedlung neuer Industrie in Penzberg (MAN).

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