Kapitel 7 - Von Pferden und Hunten: Förderung

Transport war ein umfassendes Thema für die Grube. Die Bergleute mußten ein- und ausfahren können, das Fördergut mußte aus der Tiefe heraufgeholt und abtransportiert werden. Untertage wurde die abgebaute Kohle/Gesteinsmischung vom Abbauort durch die verzweigten Strecken transportiert und zum Füllort am Schacht gebracht, um dort verladen zu werden.

Je nach Stand der Technik und zu bewältigender Aufgabe gab es sehr unterschiedliche und sehr spezielle Förderanlagen. Wie bei einer 170- jährigen Geschichte selbstverständlich, änderten sich die Einrichtungen, Bedingungen und Techniken im Bergbau in Penzberg mehrfach in dieser Zeit. Daher kann im Rahmen der Ausstellung nur auf einige Zeitbilder eingegangen werden. Der Film des Stadtrates Winkler von 1929 vermittelt einen sehr guten Einblick in die damaligen Arbeitsabläufe im Bergwerk und ist ein unschätzbares Dokument. Daher folgt die Beschreibung ihm im Folgenden, während die Bilder unterschiedliche Entwicklungsstufen zeigen:

Die vom Hauer ausgebrochene Kohle schaufelte der Säuberer auf eine Holzrutsche, teils mußte mit der Schaufel nachgestoßen werden. War das Flöz wenig mächtig, so hatten Hauer und Säuberer wenig Platz, lagen bei der Arbeit auf ihrem „Arschleder“ oder schoben damit an. Über die Rutschen kam die Kohle in die Hunte (offene, auf Schienen laufende Förderwagen aus Holz, ab 1933 aus Metall), die der Schlepper bis in größere Förderstrecken weiterschob. Die Fahrstrecken waren teilweise so niedrig und eng, daß gerade ein Hunt hindurchpaßte. Der Schlepper mußte dann in stark gebückter Haltung, teilweise auf den Knien den Wagen schieben; manchmal vier- bis fünfhundert Meter weit. - Später wurden Schüttelrutschen, Stauscheibenförderer und Förderbänder eingesetzt.

Zum Transport zwischen verschiedenen Ebenen waren Schrägaufzüge eingerichtet, wobei beladene und leere Hunte so kombiniert waren, daß sie einander heben, bzw. bremsen halfen. Die Arbeit des Bremsers erforderte Kraft und Fingerspitzengefühl, um hier auszugleichen.

Pferde arbeiteten übertage und waren im Ökonomiehof untergebracht, aber auch untertage. Sie wurden dort in großen Stallungen gehalten und nur selten ans Tageslicht gebracht. Sie zogen die gefüllten Hunte in den Hauptförderstrecken. Ab 1907 wurden Spirituslokomotiven eingesetzt, später Dieselloks. Mit der Elektrifizierung kam 1889 die Seilförderung auf. Die von verschiedenen Strecken ankommenden beladenen Hunte wurden an ein maschinell angetriebenes Seil angeschlagen, um die Kohle an den Hauptschacht zum Füllort zu schaffen.

Übertage, auf der Hängebank, waren beim Einlaufen der vollen Wagen Frauen beschäftigt, die die Hunte in den automatischen Wagenumlauf lenkten, bevor diese mit Hilfe eines automatischen Kippers entleert wurden. Die leeren Wagen liefen automatisch wieder in den Schacht hinein. Das sogenannte „taube" Gestein blieb anfangs vor Ort und wurde im „Alten Mann“ verstürzt.

Um 1920 gab es ein ca. 50 km langes unterirdisches Streckennetz.

Mit der Verlegung der Förderung in den Nonnenwald nach dem ersten Weltkrieg mußte ein Transportsystem übertage aufgebaut werden, da die Aufbereitung an der ursprüngliche Stelle beim Güterbahnhof blieb. Eine Seilbahn beförderte die gefüllten Hunte aus dem Nonnenwald zur Sortierung. Eine weitere Seilbahn förderte seit 1910 die ausgeschiedene Berge auf die Berg(e)halde, die Abraumhalde. Zudem verkehrte das „Bockerl“, eine Schmalspurbahn, zum Materialtransport zwischen dem Nonnenwald und Penzberg.

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