Station 13 - Ein Tagschacht

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In einer Baugrube am Westend angetroffener, aufgelassener Tagschacht
(Bild: Bergwerksmuseum Penzberg)

Für die einwandfreie Bewetterung (Versorgung mit frischer Atemluft) der unterirdischen Grubenbaue waren mindestens zwei Tagesöffnungen erforderlich. Um eine durchgehende Wetterführung zu erreichen, stellte man im Flöz kleine, meist rechteckig ausgezimmerte, „saigere“ (senkrechte) Aufbrüche nach Übertage her. Mit ihnen war es möglich, auf Grund der natürlichen Zirkulation von erwärmter Luft die frischen Wetter durch die verschiedenen Grubenbaue zu führen. Bei ungünstigen Bedingungen war es hie und da erforderlich, auf die Tagschächte Ventilatoren aufzusetzen. Der hier markierte Tagschacht hatte die Bezeichnung 1 West, Flöz 16, das heißt, er war im 1. Westlichen Abteilungsquerschlag in Flöz 16 aufgefahren. Er hatte eine Tiefe von 115m und war im oberen Teil mit Ziegelsteinen ausgemauert. Wenn die Abbaubetriebe etwa 300 – 400m im Feld vorgetrieben waren, stellte man neue Aufbrüche nach Übertage her.
Insgesamt waren im Bereich der Penzberger Kohlenmulden rund 95 Tagschächte befahrbar, d.h. über Leitern (Fahrten) besteigbar.
Übrigens: mit „Wetter“ werden im Bergbau alle Untertage vorkommenden Gasgemische bezeichnet. Je nach ihrer Zusammensetzung nennt man sie „Frische Wetter“ (normale Atemluft), „Matte Wetter“ (zu wenig Sauerstoff) oder „Schlagende Wetter“ (zu hoher Methangehalt – Explosionsgefahr).

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beim Bau des Gymnasiums freigelegter Tagschacht - 1 West, Flöz 16
(Bild: Michael Mayr)

© Bergknappen-Verein Penzberg OB e.V. 2010