Station 4 - Rohrschacht Schlußstein

SchlußsteinFrüher war es üblich, über einen gemauerten Stolleneingang den letzten, den mittleren Bogenstein, mit der Jahreszahl des Stollenanschlages zu versehen. Über dem Garagentor am Haus Nr. 2 der Eichthalstraße ist ein so genannter  Schlußstein mit den Bergbau-Emblemen Schlägel und Eisen und der Jahreszahl 1875 eingemauert. Dieser Schlußstein war über dem gemauerten Zugang zum Pumpen- bzw. Rohrschacht eingesetzt.
Dieser Zugang zum Rohrschacht wurde 1969 beim Ausbau der Henlestraße etwa 5m unter der Geländeoberkante freigelegt. Der kleine Hilfs-schacht ohne Förderturm, nur mit Hilfsförderung eingerichtet, ist deshalb erwähnenswert, weil er in einer sehr gefährlichen Situation für das Werksgelände eine wesentliche Rolle gespielt hat:
Am 25. Oktober 1937 brach der noch  in Betrieb befindliche “Herzog-Karl-Theodor-Schacht” ca. 80m unter der Rasenhängebank (Geländeoberkante) ein. Es bildete sich ein etwa 60m hoher Hohlraum, der teilweise mit Bruchmaterial aufgefüllt war. Ein Durchbrechen dieses Gesteins in den unteren Teil des Schachtes war jederzeit möglich und damit bestand die Gefahr eines großen Tagbruchs rund um das Schachthaus.
Der nur für Versorgungsleitungen angelegte Rohrschacht befand sich ungefähr 30m östlich vom Herzog-Karl-Theodor-Schacht, hatte einen Querschnitt von 3,10m x 2,10m, war ebenso wie der Herzog-Karl-Theodor-Schacht tonnlagig, d.h. der Neigung des Flözes angepaßt und bis zur zweiten Tiefbausohle in rund 300m abgetäuft. Auf der 1. Sohle in 100m Tiefe war er mit dem “Herzog-Karl-Theodor-Schacht” durch einen Querschlag verbunden. Da der “Henle-Schacht” bereits 1934 aufgelassen und verfüllt worden war, bestand nun über den Rohrschacht die einzige Verbindung nach Untertage. Durch diese konnte die Bruchstelle im Herzog-Karl-Theodor-Schacht nach oben abgesichert und später auch noch das untere Teilstück dieses Schachtes verfüllt werden.
Herzog-Karl-Theodor-Schacht mit Rohrschacht
   Herzog-Karl-Theodor-Schacht um 1880; rechts der Rohrschacht-Zugang mit dem Schlußstein
   Bild: Stadtarchiv Penzberg

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